Die BIOFACH in Nürnberg gilt seit 1990 als Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und ist damit weit mehr als eine klassische Fachmesse. Sie ist der internationale Branchentreffpunkt für Produzent:innen, Verarbeiter:innen, Handel, Verbände und Dienstleister:innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Genau diese Mischung macht sie so besonders. In diesem Artikel berichten wir von der BIOFACH und warum das Thema Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbrache so relevant ist.
Julia Wlasak-Eisenberger vom Terra Institute live vor Ort
Julia Wlasak-Eisenberger vom Terra Institute war am 13. Februar 2026 vor Ort auf der BIOFACH in Nürnberg vertreten und führte spannende Gespräche mit Unternehmen aus der Lebensmittelbranche zu den Themen Lieferketten, Datenanforderungen, Klimabilanzierung und Dekarbonisierung. Dabei wurde sehr deutlich, wie stark sich die Anforderungen im Markt verändern: Nachhaltigkeit ist für viele Betriebe auf der BIOFACH längst bewusste Praxis. Gleichzeitig wird sie immer stärker zu einer strukturierten Managementaufgabe, weil Kundinnen und Kunden, Handelspartner und größere Abnehmer nachvollziehbare Daten und belastbare Informationen einfordern.
Gerade für die Lebensmittelbranche ist das besonders relevant. Lieferketten sind häufig komplex, international und stark von landwirtschaftlichen Rohstoffen geprägt. Das bedeutet, dass ein großer Teil der relevanten Umwelt- und Klimaauswirkungen nicht nur im eigenen Betrieb entsteht, sondern entlang der vorgelagerten Wertschöpfung. Entsprechend wichtig wird es, frühzeitig ein praxistaugliches Datensetup aufzubauen. Viele Unternehmen erfassen bereits heute wichtige Informationen, zum Beispiel zu Energie, Verpackung oder Einkauf. Künftig wird es jedoch noch stärker darauf ankommen, Daten entlang der Lieferkette strukturiert aufzubereiten, etwa zu Rohstoffen, Vorprodukten, Transporten oder Lieferanten.
Lösungen für Unternehmen in der Lebensmittelbranche
Die BIOFACH zeigt dabei sehr klar, dass die Branche nicht am Anfang steht. Viele Unternehmen leisten bereits viel, oft seit Jahren. Regionale Beschaffung, langfristige Lieferbeziehungen, Qualitätsstandards, Verpackungsoptimierungen oder Effizienzmaßnahmen sind in vielen Betrieben gelebte Realität. Was jedoch häufig fehlt, ist die systematische Sichtbarmachung dieser Leistungen. Genau hier liegt ein zentraler Hebel. Denn was nicht sauber dokumentiert ist, kann intern schwer gesteuert und extern nur begrenzt kommuniziert werden.
Corporate Carbon Footprint (CCF): Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche
Für viele Unternehmen ist der CCF der sinnvollste Einstieg, um Emissionen strukturiert zu erfassen und die größten Hotspots zu erkennen. In der Lebensmittelbranche liegen diese Hotspots oft in eingekauften Rohstoffen, Vorleistungen und Transporten. Ein belastbarer CCF schafft hier Transparenz und bildet die Grundlage für eine wirksame Dekarbonisierungsstrategie. Er hilft Unternehmen nicht nur bei der internen Priorisierung, sondern auch dabei, auf externe Anforderungen aus dem Handel oder von Geschäftspartnern professionell zu reagieren.
SBTi: Wissenschaftsbasierte Klimaziele für Unternehmen
Damit verbunden gewinnt auch SBTi (Science Based Targets Initiative) spürbar an Bedeutung. Auf der BIOFACH wurde deutlich, dass SBTi nicht mehr nur ein Thema für große Konzerne ist. Immer mehr mittelständische Unternehmen beobachten, dass sich Anforderungen im Markt, beispielsweise durch Kundenanforderungen im Lebensmitteleinzelhandel, in Richtung wissenschaftsbasierter Klimaziele entwickeln. Die Science Based Targets Initiative (SBTi) dient dabei als wichtiger Orientierungsrahmen, um Emissionsziele glaubwürdig und nachvollziehbar zu definieren. Für Unternehmen der Lebensmittelbranche wird SBTi zunehmend relevant, weil sie häufig Teil größerer Lieferketten sind und entsprechende Nachweise künftig öfter eingefordert werden.
VSME: Freiwilliger Standard als Chance für KMU
Gleichzeitig bietet die BIOFACH auch eine wichtige Perspektive auf das, was bereits vorhanden ist. Viele Betriebe bringen starke Nachhaltigkeitsleistungen mit, die bislang noch nicht ausreichend sichtbar sind. Hier können freiwillige Rahmenwerke wie der VSME (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) sehr hilfreich sein. Auch wenn der freiwillig ist, unterstützt er Unternehmen dabei, bestehende Aktivitäten strukturiert darzustellen und die richtigen Informationen in einer nachvollziehbaren Form aufzubereiten. Das ist besonders wertvoll für kleinere und mittlere Unternehmen, die pragmatische Lösungen brauchen, aber dennoch professionell auf Anfragen aus dem Markt reagieren müssen.
BIOFACH als internationaler Zukunftsradar für Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche
Als Weltleitmesse ist die BIOFACH außerdem stark international geprägt. Ausstellende und Produkte aus der ganzen Welt machen sichtbar, wie global die Bio und Naturkosmetik Branche heute aufgestellt ist und wie stark sie sich im Wandel befindet. Veränderte Verbraucherpräferenzen, steigendes Umweltbewusstsein und neue Anforderungen an Transparenz und Datenqualität prägen die Diskussionen immer stärker. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsarbeit nicht nur leisten, sondern auch strategisch einordnen und kommunizieren.
FAZIT: Wettbewerbsvorteile durch strukturierte Nachhaltigkeit
Das Fazit aus Terra Sicht ist klar. Die BIOFACH ist nicht nur ein Schaufenster für Produkte und Trends, sondern ein wichtiger Frühindikator für die Themen, die die Lebensmittelbranche künftig prägen werden. Lieferketten, Datenqualität, CCF, Dekarbonisierung und SBTi werden weiter an Relevanz gewinnen. Unternehmen, die jetzt strukturiert starten und ihre bestehenden Leistungen sichtbar machen, schaffen Sicherheit, Glaubwürdigkeit und einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Sie möchten wissen, welche Nachhaltigkeitsdaten in Ihrer Lieferkette heute wirklich relevant sind und wie Sie CCF, Dekarbonisierung und VSME pragmatisch angehen können? Das Terra Institute unterstützt Sie dabei mit einem klaren, umsetzbaren Vorgehen für die Lebensmittelbranche.
Autorin
Julia Wlasak-Eisenberger
Master Global Studies & MBA Sustainability Management
Julia verfügt über langjährige Nachhaltigkeitsexpertise an Hochschulen (u.a. Schwerpunkt Bildung für nachhaltige Entwicklung) und in Unternehmen (Nachhaltigkeits-, Klima- und Bildungsstrategien). Sie ist Dozentin an der Universität Salzburg.
Fragen? j.wlasak@terra-institute.eu oder unverbindlich einen kurzen Termin vereinbaren.
FAQ zur BIOFACH und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelbranche
1. Warum ist ein CCF für Lebensmittelunternehmen wichtig?
Für Unternehmen der Lebensmittelbranche ist der CCF wichtig, weil ein Großteil der Emissionen in vorgelagerten Stufen wie Landwirtschaft, Rohstoffen, Vorprodukten und Transporten entsteht. Ein strukturierter CCF nach anerkannten Standards (z. B. Greenhouse Gas Protocol) schafft Transparenz, ist Grundlage für Dekarbonisierungsstrategien und unterstützt bei Berichterstattung (z. B. CSRD, EU-Taxonomie).
2. Welche Rolle spielt die Science Based Targets initiative (SBTi) für Unternehmen der Lebensmittelbranche?
Die Science Based Targets initiative (SBTi) bietet einen Rahmen, um Klimaziele im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem 1,5‑Grad-Ziel zu setzen. Für Unternehmen der Lebensmittelbranche wird SBTi zunehmend relevant, weil Handelspartner, Investor:innen und größere Kund:innen immer öfter wissenschaftsbasierte Ziele einfordern. SBTi hilft, ambitionierte, realistische Reduktionspfade zu definieren und die eigene Klimastrategie gegenüber dem Markt glaubwürdig zu untermauern. Mehr dazu: Science Based Targets im Lebensmittelhandel
3. Was bedeutet VSME und wie unterstützt der Standard kleine und mittlere Unternehmen?
VSME steht für „Voluntary Standard for SMEs“ und ist ein freiwilliger Berichtsrahmen, der speziell auf kleine und mittlere Unternehmen ausgerichtet ist. Er hilft KMU, ihre Umwelt‑, Sozial- und Governance-Themen (ESG) strukturiert darzustellen, ohne die Komplexität umfassender großer Standards übernehmen zu müssen. Unternehmen können mit VSME ihre bestehenden Nachhaltigkeitsleistungen sichtbar machen, Transparenz für Stakeholder schaffen und sich auf kommende Anforderungen vorbereiten – mit einem pragmatischen, ressourcenschonenden Ansatz.
4. Was ist die BIOFACH?
Die BIOFACH verbindet Produkte, Markt, Wissenstransfer und strategischen Austausch auf eine Weise, die in dieser Dichte einzigartig ist. Hier wird Bio nicht nur präsentiert, sondern mit allen Sinnen erlebbar gemacht, als Markt der Möglichkeiten, als Ort für Innovation und als Plattform für die Zukunft der Branche.
5. Was macht die BIOFACH für Lebensmittelunternehmen so bedeutsam?
Die BIOFACH in Nürnberg ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und dient als zentraler Treffpunkt für Produzent:innen, Handel, Verbände und Dienstleister:innen. Sie ist mehr als eine Produktmesse: Auf der BIOFACH werden Markttrends, regulatorische Entwicklungen, Anforderungen an Datenqualität sowie Themen wie CCF, Dekarbonisierung und SBTi intensiv diskutiert. Für Unternehmen der Lebensmittelbranche ist die Messe damit ein wichtiger Ort, um sich zu vernetzen, Best Practices kennenzulernen und strategische Weichen in Richtung Nachhaltigkeit zu stellen.
6. Wie unterstützt das Terra Institute Unternehmen beim Corporate Carbon Footprint (CCF)?
Das Terra Institute begleitet Unternehmen Schritt für Schritt bei der Erstellung und Nutzung ihres Corporate Carbon Footprint. Dazu gehören u. a. die Datenerfassung, die Berechnung der Emissionen in Scope 1 und 2 sowie optional eine Wesentlichkeitsanalyse für Scope 3, die Aufbereitung der Daten für Nachhaltigkeitsberichte (z. B. CSRD, GRI, EU-Taxonomie) und die Analyse von Reduktionspotenzialen. Auf dieser Basis entwickelt Terra Institute gemeinsam mit Unternehmen Klimaziele und Dekarbonisierungsstrategien.
7. Wie kann der VSME-Ansatz genutzt werden?
Das Terra Institute nutzt den VSME-Rahmen, um insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen eine strukturierte, aber pragmatische Grundlage für ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung zu bieten. Anhand des VSME können relevante ESG-Themen identifiziert, priorisiert und in einem klaren Berichtformat dargestellt werden. Das erleichtert die interne Steuerung, schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern und hilft, die eigene Nachhaltigkeitsleistung im Markt – etwa im Kontext der BIOFACH – sichtbar zu machen.
8. Welche Leistungen bietet das Terra Institute als Nachhaltigkeitsberatung an?
Das Terra Institute ist eine auf Nachhaltigkeit und Transformation spezialisierte Beratung. Das Leistungsangebot umfasst u. a. Nachhaltigkeitsstrategien, Nachhaltigkeitsbewertung, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Klima- und CO₂-Management (inkl. CCF), Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft, ESG-Schulungen, Lieferketten- und Biodiversitätsmanagement sowie Beratung zur Nachhaltigkeitskommunikation. Ziel ist es, Unternehmen mit einem praxisnahen, datenbasierten Ansatz bei ihrer nachhaltigen und digitalen Transformation zu begleiten.


